Vormundschaft

Vormundschaft

Deine Rechte, deine Ansprechpersonen und was mit 18 passiert

Grundlagen

Was ist eine Vormundschaft und wer bekommt sie?

Deine Rechte

Was dein Vormund tun muss und wo du mitentscheidest

Hilfe bei Problemen

Was du tun kannst, wenn deine Rechte nicht beachtet werden

Mit 18: der Übergang

Wann die Vormundschaft endet und was danach kommt

Erfahrungen junger Menschen

Podcasts, Poetry-Slams und Ergebnisse aus unserem Workcamp

Materialien & Links (auch für Fachkräfte)

Broschüren, Erklärvideo, Kinderbuch und Fachliteratur

Grundlagen: Was ist eine Vormundschaft?

Erklärvideo: Dein Vormund ist an deiner Seite!

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Eine Vormundschaft ist ein besonderes rechtliches Verhältnis. Das Familiengericht bestimmt eine Person – den Vormund oder die Vormundin –, die für ein Kind oder eine*n Jugendliche*n die Verantwortung übernimmt, die sonst die Eltern haben. Diese Person trifft wichtige Entscheidungen: zum Beispiel, welche Schule du besuchst, ob eine Operation gemacht wird oder ob ein Vertrag unterschrieben wird.

Das unterscheidet deinen Vormund von deinen Betreuer*innen in der Wohngruppe oder deinen Pflegeeltern. Sie kümmern sich um deinen Alltag und das Zusammenleben. Die wichtigen rechtlichen Entscheidungen trifft dein Vormund – gemeinsam mit dir.

Eine Vormundschaft sorgt dafür, dass deine Rechte und Interessen geschützt sind, wenn deine Eltern nicht für dich sorgen können.

Einen Vormund bekommen Kinder und Jugendliche, deren Eltern nicht (ausreichend) für sie sorgen können. Das kann aus diesen Gründen passieren:

  • Die Eltern sind gestorben, schwer krank oder nicht auffindbar.
  • Das Kind oder der*die Jugendliche ist ohne Eltern nach Deutschland geflüchtet.
  • Das Familiengericht hat den Eltern die elterliche Sorge entzogen, weil das Kind gefährdet war.

Dein Vormund übernimmt viele Aufgaben, die sonst deine Eltern haben:

  • Personensorge: Dein Vormund entscheidet, wo du lebst, welche Schule du besuchst und wie du medizinisch versorgt wirst. Auch Entscheidungen über Kontakte zu deiner Familie, eine Therapie oder die Mitgliedschaft in einem Verein gehören dazu. Dabei muss er dich passend zu deinem Entwicklungsstand beteiligen und immer in deinem besten Interesse entscheiden. Über Alltagsdinge entscheiden deine Betreuer*innen oder Pflegeeltern, zum Beispiel an welchen Tagen du zum Training gehst (§ 1797 BGB).
  • Vermögenssorge: Wenn du Geld oder Vermögen hast, verwaltet dein Vormund es. Er zahlt Rechnungen, sorgt dafür, dass du Leistungen bekommst, die dir zustehen (z. B. Kindergeld), und legt Geld in deinem Interesse an.
  • Rechtliche Vertretung: Dein Vormund vertritt dich in rechtlichen Angelegenheiten. Er schließt zum Beispiel Verträge für dich ab, stellt Anträge oder vertritt dich vor Gericht.
  • Vormundschaft: Dein Vormund übernimmt alle Bereiche der elterlichen Sorge, also persönliche, rechtliche und finanzielle Angelegenheiten. Das ist der Fall, wenn deine Eltern die Sorge ganz verloren haben, ihre Sorge ruht oder sie gestorben sind.
  • Ergänzungspflegschaft: Wenn deine Eltern nur in bestimmten Bereichen nicht für dich sorgen können, bekommst du eine*n Ergänzungspfleger*in. Diese Person übernimmt nur einzelne Aufgaben. Am häufigsten sind das:
    • die Entscheidung, wo du lebst (Aufenthaltsbestimmung)
    • die Gesundheitssorge
    • Anträge auf Sozialleistungen wie Hilfen zur Erziehung
    Manchmal ist es nur die Verwaltung deines Vermögens. Für alles andere bleiben deine Eltern zuständig.
  • Wer Vormund sein kann:
    • eine Person, die das ehrenamtlich macht, zum Beispiel jemand aus deiner Familie oder deine Pflegeeltern
    • eine Person, die das beruflich macht
    • ein*e Mitarbeiter*in eines Vormundschaftsvereins
    • ein*e Mitarbeiter*in des Jugendamts (Amtsvormundschaft)

Vormundschaften und Pflegschaften gibt es nur für Minderjährige. Eine rechtliche Betreuung gibt es für Erwachsene, die bestimmte Angelegenheiten nicht selbst regeln können. Früher hieß das oft „gesetzliche Betreuung“.

Auch die Befugnisse sind unterschiedlich:

  • Ein Vormund ist für alle Bereiche zuständig.
  • Ein*e rechtliche*r Betreuer*in wird nur für bestimmte Aufgabenbereiche bestellt, zum Beispiel für Geldangelegenheiten oder die Organisation der medizinischen Versorgung.

Betreuer*innen sollen sich nach den Wünschen der betreuten Person richten und ihre Selbstständigkeit so weit wie möglich erhalten. Dein Vormund muss bei seinen Entscheidungen dein Alter, deinen Entwicklungsstand und das berücksichtigen, was du für deine Entwicklung brauchst.

Deine Rechte in der Vormundschaft

In der Vormundschaft hast du Rechte – und sie stehen ausdrücklich im Gesetz (§ 1788 BGB). Dein Vormund ist dafür da, dich zu unterstützen und deine Interessen zu vertreten. Er muss dafür sorgen, dass es dir gut geht und du dich gut entwickeln kannst.

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Du hast das Recht, deinen Vormund regelmäßig persönlich zu treffen. In der Regel soll er dich einmal im Monat dort besuchen, wo du lebst. Ausnahme: Im Einzelfall passt ein anderer Abstand oder ein anderer Ort besser (§ 1788 Nr. 3, § 1790 Abs. 3 BGB). Dein Vormund muss Zeit für dich haben und sich deine Themen, Sorgen und Probleme anhören.

Dein Vormund muss deinen Willen, deine Bindungen, deine Religion und deinen kulturellen Hintergrund achten. Er muss wichtige Angelegenheiten mit dir besprechen und dich an Entscheidungen beteiligen, die dein Leben betreffen, zum Beispiel bei der Schule oder beim Wohnort. Ihr sollt euch möglichst einigen (§ 1788 Nr. 4 und 5, § 1790 Abs. 2 BGB).

Du hast das Recht, dass dein Vormund dich auf dem Weg in die Selbstständigkeit unterstützt, zum Beispiel bei Behördengängen oder mit Tipps für deine Ausbildung (§ 1788 Nr. 1 BGB).

Dein Vormund beantragt für dich Hilfen beim Jugendamt und übt dabei das Wunsch- und Wahlrecht aus (§ 5 SGB VIII). Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, sucht er gemeinsam mit dir die Wohngruppe oder Pflegefamilie aus. Sag ihm, was du dir wünschst und was dir nicht gefällt.

Du hast ein Recht auf Erziehung ohne Gewalt, körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen (§ 1788 Nr. 2 BGB). Dein Vormund muss aktiv darauf achten, dass dir niemand wehtut oder schadet. Wenn du Gewalt erlebst, muss er schnell handeln:

  • dir helfen und Unterstützung organisieren
  • wenn nötig das Jugendamt oder andere Fachstellen einschalten
  • prüfen, ob du an einem anderen, sicheren Ort leben solltest

Sprich mit deinem Vormund über deine Wünsche und Bedürfnisse. Wenn er anders entscheidet, als du es möchtest, soll er dir seine Gründe erklären.

Mehr dazu in der Broschüre „Dein Vormund vertritt dich“, Neubearbeitung 2023. Es gibt sie auch auf Englisch, Arabisch und Farsi.

Hilfe, wenn deine Rechte nicht beachtet werden

Wenn deine Rechte nicht beachtet werden, kannst du dich wehren. Diese Wege kannst du gehen – am besten in dieser Reihenfolge:

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Viele Missverständnisse lassen sich in einem offenen Gespräch klären. Sag möglichst klar, was du dir wünschst und was du brauchst, und sucht gemeinsam nach einer Lösung. Wenn es dir hilft, nimm eine Person mit, der du vertraust.

Vielleicht könnt ihr euch nicht einigen oder du hast Angst, mit deinem Vormund zu sprechen. Dann wende dich an jemanden, dem du vertraust: aus deiner Pflegefamilie, deiner Wohngruppe, dem Jugendamt oder eine andere erwachsene Person.

Ombudsstellen sind unabhängige Beratungsstellen. Sie helfen dir, wenn du Stress mit der Kinder- und Jugendhilfe oder mit deinem Vormund hast. Sie beraten dich kostenlos, unabhängig und vertraulich. Sie können dich auch zu Gesprächen mit Fachkräften begleiten. Ombudsstellen haben oft viel zu tun: Plane etwas Zeit ein, es kann sein, dass dir nicht sofort geholfen werden kann. → Ombudsstelle in deiner Nähe finden

Das Familiengericht beaufsichtigt deinen Vormund. Wenn es Hinweise gibt, dass dein Vormund deine Rechte nicht beachtet, muss das Gericht dich persönlich anhören (§ 1803 BGB). Du kannst auch sagen, dass du einen anderen Vormund möchtest. Das Gericht prüft dann, ob das möglich ist. Unser Rat: Schalte das Familiengericht erst ein, wenn die anderen Schritte nicht geholfen haben. Auch das Jugendamt kannst du ansprechen.

Du brauchst sofort Hilfe und deine Ombudsstelle ist nicht erreichbar? Junge Menschen bis 25 können sich rund um die Uhr an den Krisenchat wenden.

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Du bist nicht allein – es gibt Menschen, die dir helfen.

Mehr dazu in der Broschüre „Stress mit der Jugendhilfe? Wege zur ombudschaftlichen Beratung“ in Einfacher Sprache.

Mit 18: Was nach der Vormundschaft kommt

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Deine Vormundschaft endet spätestens an deinem 18. Geburtstag. Dann bist du volljährig und triffst deine Entscheidungen selbst. Sie kann auch früher enden, wenn das Familiengericht entscheidet, dass deine Eltern wieder für dich sorgen können.

Wenn du zum Beispiel wegen einer Behinderung weiter Unterstützung brauchst, kann ab 18 eine rechtliche Betreuung eingerichtet werden. Das sollte rechtzeitig vor deinem 18. Geburtstag geklärt werden.

  • Hilfe für junge Volljährige (§ 41 SGB VIII): Du hast das Recht, auch nach deinem 18. Geburtstag Unterstützung von der Jugendhilfe zu bekommen, wenn du sie brauchst. Du kannst zum Beispiel weiter in deiner Wohngruppe leben. Stell den Antrag am besten vor deinem 18. Geburtstag – dein Vormund kann dir dabei helfen.
  • Zurückkommen ist möglich: Auch wenn du die Jugendhilfe schon verlassen hast, kannst du erneut Hilfe beantragen (§ 41 Abs. 1 Satz 3 SGB VIII).
  • Nachbetreuung (§ 41a SGB VIII): Nach dem Ende einer Hilfe hast du noch eine Zeit lang das Recht auf Beratung und Unterstützung, zum Beispiel wenn du Wohngeld oder BAföG beantragen willst.

Plant den Übergang gemeinsam, am besten etwa ein halbes Jahr vor deinem 18. Geburtstag. Dabei hilft die Checkliste „Übergang in die Volljährigkeit“. Sie geht Punkt für Punkt durch:

  • Finanzen
  • Wohnen
  • Bildung
  • Gesundheit
  • persönliche Dokumente
  • dein Netzwerk

Die Checkliste ist aus einem gemeinsamen Workshop des Bundesforums Vormundschaft und Pflegschaft, des Careleaver e.V. und der IGfH entstanden.

Weitere Praxishinweise aus diesem Workshop:

Mehr bei uns:

Vormundschaft neu denken: unser Workcamp

2024 haben sich das Bundesforum Vormundschaft und Pflegschaft, das Sozialpädagogische Fortbildungszentrum Berlin-Brandenburg (SFBB) und der Careleaver e.V. in einem gemeinsamen Workcamp aus verschiedenen Perspektiven mit Vormundschaft beschäftigt. Hier findet ihr die Ergebnisse.

Ergebnisse aus dem World Café

Graphic Recording: Gemeinsam zum Ziel

In einem Workshop ist mit Graphic Recording von Imke Schmidt Sari ein Schaubild entstanden, das die Rechte von Kindern und Jugendlichen in der Vormundschaft zeigt.

Graphic Recording von Imke Schmidt Sari: Schaubild zu den Rechten von Kindern und Jugendlichen in der Vormundschaft.
Graphic Recording: Imke Schmidt Sari

Podcast: Was macht gute Vormundschaft aus?

Für eine Folge des Podcasts ‚Kinder- und Jugendhilfe im Fokus‘ (KIU) spricht Robin Loh im Rahmen unseres Workcamps mit der Vormundin Ines Klaffer und dem Sozialarbeiter Markus Kaiser. Es geht darum, was Vormundschaft ist, was Menschen mitbringen müssen, die als Vormund arbeiten wollen, und wie Vormundschaft aus ihrer Sicht heute umgesetzt wird.

Podcast: Und welche Erfahrungen hast du?

Angelina und Marco erzählen von ihren Erfahrungen mit Vormundschaft – und davon, was für eine Vormundschaft sie sich wünschen würden.

Poetry-Slams: Bedienungsanleitungen

In einem Workshop haben wir Poetry-Slams geschrieben – kreative Bedienungsanleitungen für Vormund*innen und für Mündel. Klickt euch durch!

Bedienungsanleitung für eine*n Vormund*in

Bedienungsanleitung für ein Mündel

Wir danken der Kurt und Maria Dohle Stiftung für die Unterstützung dieser Veranstaltung.

Materialien und Links

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Kinder können ganz unterschiedlich aufwachsen: bei ihren Eltern, in Wohngruppen, bei Pflegeeltern, Adoptiveltern, Großeltern … Und manche Kinder haben einen Vormund oder eine Vormundin. In diesem Bilderbuch erfahren Kinder, was das eigentlich bedeutet:

  • Was macht ein Vormund oder eine Vormundin?
  • Wann bekommt man einen oder eine?
  • Und wer darf dann was entscheiden?

Ein Buch von Claudia Gliemann, illustriert von Natascha Berger. Es wurde gemeinsam mit dem Bundesforum Vormundschaft und Pflegschaft und mit Vormund*innen entwickelt, die teilweise aus eigener Erfahrung wissen, wie es sich anfühlt, einen Vormund zu haben. Erschienen 2023 im Monterosa Verlag, ab 4 Jahren. Dazu gibt es ein Mitmachbuch zum Malen und Basteln.

Das Bundesforum Vormundschaft und Pflegschaft setzt sich dafür ein, dass junge Menschen, die einen Vormund oder eine*n Pfleger*in haben oder hatten, gut vertreten und unterstützt werden. Es bringt Fachleute zusammen, die sich für bessere Bedingungen in der Vormundschaft stark machen – damit eure Rechte gewahrt bleiben und ihr die Hilfe bekommt, die ihr braucht.

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