Listen to us!
Hearing im Bundestag zu Erfahrungen und Perspektiven von Selbstvertretung in der inklusiven Kinder- und Jugendhilfe
Am 26. Januar 2026 fand im Bundesministerium für Bildung, Familie, Soziales, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) das Hearing „Listen to us! Perspektiven junger Menschen und Eltern auf Selbstvertretung in der inklusiven Kinder- und Jugendhilfe“ statt. Ziel der Veranstaltung war es, jungen Menschen und Eltern Raum zu geben, ihre Erfahrungen, Forderungen und Erwartungen sichtbar zu machen – und damit deutlich zu machen, was es für wirksame Selbstvertretung in der Kinder- und Jugendhilfe braucht. Die Beiträge richteten sich dabei an Vertreterinnen aus Politik und Wissenschaft, die als zentrale Adressatinnen des Hearings teilnahmen.
Eingeladen waren fünf Gruppen mit unterschiedlichen Erfahrungen in der Kinder- und Jugendhilfe: Careleaverinnen, junge Menschen aus Pflegefamilien, junge Menschen aus Wohngruppen, junge Menschen mit Behinderungen sowie Eltern.
Eröffnet wurde das Hearing von Laura Brüchle und Stefan Wedermann. Auch die Parlamentarische Staatsministerin Mareike Wulf war eingeladen und richtete ein Grußwort an die Teilnehmenden. Insgesamt wurde deutlich, dass es bei dem Hearing bewusst darum ging, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und Erfahrungswissen als gleichwertige Wissensform anzuerkennen. Dass das Format direkt im Bundesministerium stattfand, wurde von vielen als wichtiges Signal verstanden: Selbstvertretung ist kein Randthema, sondern gehört in die Mitte jugendhilfepolitischer Diskussionen.
Der Vormittag war den Einzelgruppen gewidmet. In getrennten Runden arbeiteten die Gruppen an den Themen, die sie in ihrem Alltag und in der Selbstvertretung besonders beschäftigen. Viele Punkte waren bereits in Vorbereitungstreffen gesammelt und weiterentwickelt worden, sodass im Hearing konkrete Forderungen eingebracht werden konnten. Am Nachmittag kamen alle Gruppen zusammen und bündelten gemeinsame Schwerpunkte, die aus allen Perspektiven als besonders relevant benannt worden waren – darunter die Unabhängigkeit von Selbstvertretung, verlässliche Ressourcen und Rahmenbedingungen sowie die stärkere Verankerung von Kinder- und Jugendrechten, Beteiligung und Schutz in Aus- und Weiterbildung.
Forderungen der Careleaver*innen (Auswahl)
- Selbstvertretung als demokratisches Grundprinzip stärken und als „gelebte Beteiligung“ ernst nehmen.
- Unabhängige Selbstvertretungsstrukturen schützen, damit Engagement ohne Druck und ohne Angst vor Nachteilen möglich ist.
- Verlässliche, langfristige Finanzierung und Ressourcen für Selbstvertretung sichern (Ehrenamt allein reicht nicht).
- Übergänge aus der Jugendhilfe ins Erwachsenenleben besser absichern und strukturelle Brüche vermeiden.
- Verfahren so gestalten, dass fehlender oder nicht zumutbarer Elternkontakt nicht zu Benachteiligung führt.
- Rechtevermittlung verbindlich machen: Informationen zu Rechten und Angeboten müssen aktiv, barrierefrei, mehrsprachig und alltagsnah erfolgen.
- Unabhängige Beschwerde- und Beratungswege ausbauen, sichtbar machen und als wirklich unabhängig ausstatten.
- Inklusion und Barrierefreiheit als Standard verankern – auch in Beteiligungsformaten, Kommunikation und Unterstützungssystemen.
Wir danken der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) und dem BMBFSFJ für die gute Zusammenarbeit.
